Dienstag, 17. Februar 2009

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott

"There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life." Dieser Slogan ist seit einiger Zeit auf Bussen in England zu lesen und nun soll er auch in die Schweiz kommen: "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge – geniess dein Leben." Diese Nachricht hat mich ziemlich beschäftigt, denn der Spruch impliziert einige interessante Aspekte.
Das erste was sofort auffällt ist das Wörtchen "wahrscheinlich". Will uns jemand darüber aufklären, dass es nicht sicher ist, ob es Gott gibt? Warum nicht einfach klar sagen: Es gibt keinen Gott? Jemand der so eine Aktion startet, hat sich doch sicher längst festgelegt. Jon Worth, der in London die Kampagne organisiert, hat sich tatsächlich bewusst gegen Gott entschieden. Trotzdem nennt er drei Gründe für das "probably":
1. Die Werberegeln in Grossbritannien. Wer schreibt: "Es gibt keinen Gott", muss das auch beweisen können - das dürfte schwerfallen.
2. Absolute Aussagen treffen nur Fanatiker und Fundamentalisten - so jedenfalls kann man seine Worte interpretieren.
3. Er ist selbst nicht absolut sicher und zitiert den Atheisten Richard Dawkins, der es so formuliert: "es ist fast sicher, dass es Gott nicht gibt". Aber das wäre für einen Werbeslogan einfach zu lang.
Was sagt uns das? Ich denke der Hauptgrund ist: man will sich von religiösen Gruppen abgrenzen, und relativiert darum, denn der Atheismus will ja auf keinen Fall absolutistisch wahrgenommen werden. Mann ist humanistisch, tolerant, weltoffen.
Aber das ist das eigentliche Problem, das ich mit der ganzen Kampagne habe, denn an die relative Aussage über Gott schliessen sich ohne weiteres absolute Konsequenzen an. Müsste es nicht logischerweise heissen: "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, du kannst also wahrscheinlich dein Leben geniessen."
Das Problem ist halt: ich kann kein relatives Leben führen. Ich kann nicht sagen: von jetzt an geniesse ich wahrscheinlich mein Leben, juhu!. Ich kann nur entweder so leben als gäbe es Gott, oder so als gäbe es ihn nicht. Ich muss eine Entscheidung treffen. Toleranz und Relativismus hin oder her, es bleibt mir gar nichts anderes übrig. Auch ein Atheist hat sich mal entschieden. Jon Worth sagt explizit, dass er persönlich diese Entscheidung gegen Gott einmal getroffen hat, und zwar auf Grund von aufdringlichen christlichen Mitstudenten. Und darum ist der Atheismus letztlich nicht wirklich etwas anderes als eine Religion. Ich fälle eine Entscheidung gegen Gott und er wird mir verschlossen bleiben, oder ich sage ja zu Gott, weil ich glaube, dass er ja zu mir sagt und er wird zu einer Realität in meinem Leben.
Auf einmal stellt sich heraus: Wow, das Leben ist auch mit ihm geniessbar!