Letztens war ich mal wieder mit dem Zug unterwegs und wie das so ist, beim Umsteigen hat man ein bisschen Aufenthalt und muss die Zeit irgendwie totschlagen. Als ich also in Augsburg am Bahnsteig stehe, kommt mir plötzlich die Idee, irgendwo ein Sandwich zu kaufen (braucht Zeit und stillt Hunger). Es dauert nicht lange, da entdecke ich ein Subway-Sandwichlokal. Grossartig! Das sind ja Spezialisten!
Vor mir an der Theke ist gerade ein korrekt gekleideter Mit-Dreissiger dabei seine Bestellung abzuschliessen. Als er bezahlen soll gerät er plötzlich ins Stocken, für irgendetwas muss er 30 Cent mehr bezahlen als angenommen. Er beschwehrt sich dass er von dem Aufpreis nicht gewusst hätte und meint er hätte sich nicht für diesen Zusatz an seinem Sandwich entschieden, wenn er gleich darüber informiert worden wäre, dass das Extra kostet.
Ich werfe schonmal vorsichtshalber einen Blick auf meine Uhr und ahne bereits, dass es hier nicht um 08/15 belegte Brötchen geht.
Mir bleibt gerade noch Zeit, zu überlegen, ob ich lieber ein Fleisch- oder ein Käsebaguette will, da bin ich auch schon an der Reihe und die routinierte Bedienung beginnt mit mir ihren Frage-Katalog durchzuarbeiten.
"Was für eine Brotsorte möchten sie?" - "Äh, welche gibt es denn?" - "Italian White, Wheat, Honey Oat oder Parmesan Oregano." - etwas überrumpelt sage ich "Wheat", weil es das einzige ist, was ich in dem Moment mit einer Brotsorte verbinde.
"15 oder 30 cm?" - sie meint wohl die Länge des Brotes, ich hab nicht sooo viel Hunger also 15, hoffe nur sie will jetzt nicht auch noch Umfang und Farbe wissen.
Als nächstes kommen die Fleischvariationen. Neben "Chicken Teriyaki" und "Italian B.M.T" gibt es noch 11 weitere Möglichkeiten.
OGottoGottoGott, was nehm ich nur? Mein Blick schweift wieder zur Uhr, ok ich hab noch ein bisschen Zeit. Meine reichlich triviale Antwort lautet "Ham", da weiss man was man hat!
"Schmelzkäse, Frischkäse oder Bacon?" - ich hab schon Ham, also Schmelzkäse.
"Toasten?" - nein ich will keinen Toast.
"Welche Gemüse?" - sie deutet auf etwa 8 verschiedene Behälter mit Gemüse. Ok, das kenn ich vom Dönerstand - "alles ausser Zwiebeln" sage ich und bin stolz auf meine schnelle und bestimmte Entscheidung.
Es dauert seine Zeit, bis sie alle 7 Sachen draufgepackt hat und so langsam werde ich doch etwas unruhig.
"Noch Reibekäse drüber?" - meine Güte, warum kommt sie jetzt nochmal mit Käse? Das hatten wir doch schon abgehakt. - "Nein, danke!" entfährt es mir.
Nun zu den Saucen - beim Döner gibts höchstens 3 hier sind es mindestens 7! Das Gefühl von Überforderung und der Angst was zu verpassen macht sich leise breit. Ich weiss nicht was ich will und sag einfach: "Die Weisse da."
Endlich gehts ans zahlen - noch nicht ganz!
"Das ganze als Menü?" - "Nein"
"Ein Getränk?" - "Nein"
"Ist das alles?" - "Ja!!"
Ich verlasse das Lokal und eile zum Zug, In der Hand haltend (dem Multi-Options und Optimierungs-Wahn sei Dank) mein individuell-feingetuntes Sandwich, das genau zu meinem Persönlichkeitsprofil passt.
Oder etwa nicht? Hätte es nicht noch ein Besseres gegeben? Ist mein ganzes Leben überhaupt so durchdacht wie dieses Brötchen? Könnte ich vielleicht ein Leben führen, das mir noch viel besser entspräche?
Das nächste mal gehe wieder zum Bäcker um die Ecke. Zum Zufriedensein brauche ich nur ein stressfreies Käsebaguette!
5 Kommentare:
Hallo Christoph,
erstmals lieben Dank fuer Deine Antwort, musste ein bisschen schmunzeln bei Deinem letzten Post... sitze naemlich grad in einem Internetcafe hier in Arequipa/Peru und lebe grad ganz einfach und genuegsam. Bin schon ganz froh, wenn die Dusche warmes Wasser spendet, wenn ich wieder mal frisch gewaschene Kleidung in der Hand halte, wenn ich in ein Restaurant gehe und echt zufrieden bin mit dem Essen ;o))
Logo gibt es auch hier die Qual der Wahl, aber man muss etwas suchen bis man findet und das was fuer einen Peruaner superlecker ist, ist es noch lange nicht fuer mich :o)) Trotzdem kann ich sagen dass ich mich sehr wohl fuehle, habe nicht das Gefuehl dass mir was Wichtiges entgeht ;O) Wuensche Dir weiterhin viel Spass im Alltag, liebe Gruesse Angelika
Hi Angelika,
ja dann bist du also grad sozusagen auf dem Anti-Optimierungs-Trip - back to the roots oder was?:)
Ich hab keine Ahnung was man in Peru so zum Essen vorgesetzt bekommt, aber bloss weil es weniger Optionen gibt, heisst natürlich noch lange nicht, dass es deswegen besser schmeckt. Naja die Einheimischen sind aber halt daran gewöhnt und es reicht ihnen. Das komische ist ja, solange man nicht anderes kennt, hat man auch nie das Gefühl, das einem was irgendwas fehlt. Schön wenn es dann sogar Dir als "Westlerin" so geht:)
Hallo Christof,
nun hier gibt es eigentlich ja recht viel ;o) Du kannst zum Italiener gehn, Tuerken, Araber, Chinesen - dann gibt es halt viele Tourilokale mit Allerleikueche, aber als verwoehnte Suedtirolerin schmeckt es halt oft nicht so wie es der Vorstellung nach sollte ;o)
Das Beste ist meistens Huehnchen mit Reis sowie Fisch in guten Lokalen und der Chifa (Chinese). Ein ganz traditionelles Gericht ist Meerschweinchen auf der Platte; hab mich noch nicht dazu ueberwinden koennen...
hm Meerschweinchen auf Platte, da brauchts schon etwas Überwindung. Kann mir auch nicht vorstellen, dass da viel dran ist.
Aber wenn ich an die Meerschweinchen von meinen drei Neffen denke dann, könnte man fast denken sie sind auf dem Teller besser dran. Kenne auch jemanden der Meerschweinchenn züchtet um sie dann seinen Pythons zu verfüttern. Also warum eigentlich nicht...
Ah! Also dochnoch mal Käse :)))
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