Manchmal rede ich mit mir selbst. Meistens passiert das dann
wenn ich mich aufrege. Dann murmelt sich etwas den Weg ins Freie. Es muss
einfach raus, wie durch ein Ventil. Natürlich rede ich auch mit meinen
Mitmenschen, möglichst nicht nur dann wenn ich mich aufrege. Allgemein bin ich
aber nicht so der grosse Redner. Smalltalk finde ich ziemlich anstrengend und
gerne fliehe ich, bevor es soweit kommt. Trotzdem ist Kommunikation so
unerlässlich wie die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken. Gab es nicht mal
diesen grausamen Versuch im Mittelalter, wo Babys ohne menschliches Zureden
aufwachsen sollten? Sind sie nicht allesamt gestorben?
Wie sieht es mit der vertikalen Kommunikation aus? Unter
anderem auch Gebet genannt. Es fällt auf, dass sich diese Art des
Mitteilungsbedürfnisses auf einzelne
prägnante Punkte im Leben beschränkt. Aber dann meist umso dringlicher. Jetzt,
wo 9/11 wieder ins Bewusstsein rückt, muss ich an ein kurzes Amateurvideo denken:
ein Ladenbesitzer filmt aus seinem Schaufenster auf die Strasse. Auf einmal
ziehen Staubwolken auf. Sie werden rasch dichter, dunkler, schwärzer bis es
stockfinstere Nacht ist. Aus dem Off hört man ein zitterndes: „though I walk
through the valley of the shadow…“
Solange die Sonne scheint und kein Wölkchen den Himmel trübt
ist die Leitung nach oben selten belegt. Gerne redet man über Gott - mit
ihm nur in Ausnahmesituationen. Er ist höchstens als dritte Person akzeptiert, aber nicht als
Gesprächspartner.
Vielleicht scheint es darum oft so, als ob sich sein Ableben aus
Mangel an menschlicher Zuwendung schon lange ereignet hätte.

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