Montag, 12. September 2011

Die dritte Person

Manchmal rede ich mit mir selbst. Meistens passiert das dann wenn ich mich aufrege. Dann murmelt sich etwas den Weg ins Freie. Es muss einfach raus, wie durch ein Ventil. Natürlich rede ich auch mit meinen Mitmenschen, möglichst nicht nur dann wenn ich mich aufrege. Allgemein bin ich aber nicht so der grosse Redner. Smalltalk finde ich ziemlich anstrengend und gerne fliehe ich, bevor es soweit kommt. Trotzdem ist Kommunikation so unerlässlich wie die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken. Gab es nicht mal diesen grausamen Versuch im Mittelalter, wo Babys ohne menschliches Zureden aufwachsen sollten? Sind sie nicht allesamt gestorben?
Wie sieht es mit der vertikalen Kommunikation aus? Unter anderem auch Gebet genannt. Es fällt auf, dass sich diese Art des Mitteilungsbedürfnisses  auf einzelne prägnante Punkte im Leben beschränkt. Aber dann meist umso dringlicher. Jetzt, wo 9/11 wieder ins Bewusstsein rückt, muss ich an ein kurzes Amateurvideo denken: ein Ladenbesitzer filmt aus seinem Schaufenster auf die Strasse. Auf einmal ziehen Staubwolken auf. Sie werden rasch dichter, dunkler, schwärzer bis es stockfinstere Nacht ist. Aus dem Off hört man ein zitterndes: „though I walk through  the valley of the shadow…“
Solange die Sonne scheint und kein Wölkchen den Himmel trübt ist die Leitung nach oben selten belegt. Gerne redet man über Gott - mit ihm nur in Ausnahmesituationen. Er ist höchstens als dritte Person akzeptiert, aber nicht als Gesprächspartner.
Vielleicht scheint es darum oft so, als ob sich sein Ableben aus Mangel an menschlicher Zuwendung schon lange ereignet hätte.