"Mich zu erinnern, dass ich bald tot sein werde, war für mich das
wichtigste Werkzeug, das mir geholfen hat, all diese großen
Entscheidungen im Leben zu treffen. Denn fast alles – alle äußeren
Erwartungen, der ganze Stolz, die ganze Angst vor dem Versagen und der
Scham – diese Dinge fallen einfach weg angesichts des Todes und lassen
nur übrig, was wirklich wichtig ist. Sich zu erinnern, dass man sterben
wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um der Falle zu entgehen und zu
glauben man hätte etwas zu verlieren. Du bist vollkommen nackt. Es gibt
keinen Grund, um nicht seinen Herzen zu folgen."
Inspirierende Worte des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Habe ich schon mal irgendwo gelesen. Ach ja! Psalm 90,12: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."
Es gibt dann aber doch einen Unterschied zwischen Jobs und der Bibel.
Jobs: "Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens.
Er ist der Vertreter des Lebens für die Veränderung. Er räumt das Alte
weg, um Platz zu machen für das Neue. Gerade jetzt seid das Neue ihr,
aber eines Tages, nicht sehr viel später, werdet ihr langsam zum Alten
gehören und weggeräumt werden. Tut mir Leid, dass ich so dramatisch bin.
Aber es ist die Wahrheit."
1. Korinther 15,26: "Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod."
Ich finde den Gedanken, dass der Tod ein notwendiger Segen ist einerseits ansprechend. Denn alles ist im Fluss. Ewigkeit dagegen scheint aus menschlicher Perspektive fast erdrückend, statisch. Nichts kann so gut sein, dass es sich nie abnutzt. Auch nicht der Erfolg von Apple. Es braucht immer wieder Erneuerung. Aber wer sagt, dass es die nicht auch "im Himmel" gibt? Die Bibel beschreibt die Ewigkeit nicht - vermutlich weil sie unbeschreiblich ist.
Freitag, 7. Oktober 2011
Montag, 19. September 2011
Der Schwarm
Morgens verlasse ich das Haus. Ich schwinge mich auf mein Fahrrad und biege in die nächste Strasse ein. Alles ist ruhig. Ich bin fast allein. Es geht weiter bis zur Ampel. Sie steht auf Rot. Ich habe Zeit mich umzusehen und bemerke die ersten Anzeichen. Menschen überqueren zielstrebig den Zebrastreifen. Einige Autos kommen zum Stehen. Alle ohne Beifahrer. Weitere Radfahrer gesellen sich zu mir.
Wir warten. Die Ampel wird endlich grün. Wir setzen uns in Bewegung. Nach rechts auf die Hauptstrasse. Eine Strassenbahn überholt. Die Insassen blicken schweigend nach draussen. Wir passieren eine Bushaltestelle. Müde Augen fixieren den Asphalt.
Einige versuchen die Flucht, aber das macht nichts. An der nächsten Kreuzung sind wir wieder beisammen. Immer mehr werden wir. Fahren, warten, fahren, warten, fahren, warten... Wir haben den gleichen Pulsschlag. Wir haben die gleichen Wünsche. Das Tram ist wieder in Sicht. Es kann uns nicht entkommen. Wir sind schneller.
Wir stellen unsere Räder ab. Nun geht es zu Fuss weiter. Aber das macht nichts, denn wir werden mehr und mehr. Eine riesige Menge sind wir. Unaufhaltsam zu unserem Ziel. Der Eingang zum Bahnhof ist schmal, aber jeder weiss wie es geht. Wir funktionieren und ergiessen uns in die Halle.
Gut geölte Griffe schnappen sich Gratiszeitungen. Einige warten auf Kaffee aber wir stocken nicht. Reibungslos gleiten wir die Rolltreppe hinunter. Einige gehen voraus aber keiner bleibt zurück.
Wir brauchen keine Worte. Wir brauchen keine Blicke. Der Zug hat genug Plätze. Wir haben unsere Zeitungen. Das Signal ertönt und wir lesen. Einige sind früher fertig aber das macht nichts. Sie stören nicht, sie dösen.
Wir greifen in die Tasche. Ohne zu Zögern finden wir das Billet und halten es hoch. Der Schaffner braucht nicht lange. Das Signal ertönt und wir sind geduldig beim Ausstieg. Einige haben es eilig aber wir lassen sie vor.
Wir fliessen durch den Ausgang und versickern in den verzweigten Strassen.
Ich habe Zeit mich umzusehen und bin fast allein.
Wir warten. Die Ampel wird endlich grün. Wir setzen uns in Bewegung. Nach rechts auf die Hauptstrasse. Eine Strassenbahn überholt. Die Insassen blicken schweigend nach draussen. Wir passieren eine Bushaltestelle. Müde Augen fixieren den Asphalt.
Einige versuchen die Flucht, aber das macht nichts. An der nächsten Kreuzung sind wir wieder beisammen. Immer mehr werden wir. Fahren, warten, fahren, warten, fahren, warten... Wir haben den gleichen Pulsschlag. Wir haben die gleichen Wünsche. Das Tram ist wieder in Sicht. Es kann uns nicht entkommen. Wir sind schneller.
Wir stellen unsere Räder ab. Nun geht es zu Fuss weiter. Aber das macht nichts, denn wir werden mehr und mehr. Eine riesige Menge sind wir. Unaufhaltsam zu unserem Ziel. Der Eingang zum Bahnhof ist schmal, aber jeder weiss wie es geht. Wir funktionieren und ergiessen uns in die Halle.
Gut geölte Griffe schnappen sich Gratiszeitungen. Einige warten auf Kaffee aber wir stocken nicht. Reibungslos gleiten wir die Rolltreppe hinunter. Einige gehen voraus aber keiner bleibt zurück.
Wir brauchen keine Worte. Wir brauchen keine Blicke. Der Zug hat genug Plätze. Wir haben unsere Zeitungen. Das Signal ertönt und wir lesen. Einige sind früher fertig aber das macht nichts. Sie stören nicht, sie dösen.
Wir greifen in die Tasche. Ohne zu Zögern finden wir das Billet und halten es hoch. Der Schaffner braucht nicht lange. Das Signal ertönt und wir sind geduldig beim Ausstieg. Einige haben es eilig aber wir lassen sie vor.
Wir fliessen durch den Ausgang und versickern in den verzweigten Strassen.
Ich habe Zeit mich umzusehen und bin fast allein.
Montag, 12. September 2011
Die dritte Person
Manchmal rede ich mit mir selbst. Meistens passiert das dann
wenn ich mich aufrege. Dann murmelt sich etwas den Weg ins Freie. Es muss
einfach raus, wie durch ein Ventil. Natürlich rede ich auch mit meinen
Mitmenschen, möglichst nicht nur dann wenn ich mich aufrege. Allgemein bin ich
aber nicht so der grosse Redner. Smalltalk finde ich ziemlich anstrengend und
gerne fliehe ich, bevor es soweit kommt. Trotzdem ist Kommunikation so
unerlässlich wie die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken. Gab es nicht mal
diesen grausamen Versuch im Mittelalter, wo Babys ohne menschliches Zureden
aufwachsen sollten? Sind sie nicht allesamt gestorben?
Wie sieht es mit der vertikalen Kommunikation aus? Unter
anderem auch Gebet genannt. Es fällt auf, dass sich diese Art des
Mitteilungsbedürfnisses auf einzelne
prägnante Punkte im Leben beschränkt. Aber dann meist umso dringlicher. Jetzt,
wo 9/11 wieder ins Bewusstsein rückt, muss ich an ein kurzes Amateurvideo denken:
ein Ladenbesitzer filmt aus seinem Schaufenster auf die Strasse. Auf einmal
ziehen Staubwolken auf. Sie werden rasch dichter, dunkler, schwärzer bis es
stockfinstere Nacht ist. Aus dem Off hört man ein zitterndes: „though I walk
through the valley of the shadow…“
Solange die Sonne scheint und kein Wölkchen den Himmel trübt
ist die Leitung nach oben selten belegt. Gerne redet man über Gott - mit
ihm nur in Ausnahmesituationen. Er ist höchstens als dritte Person akzeptiert, aber nicht als
Gesprächspartner.
Vielleicht scheint es darum oft so, als ob sich sein Ableben aus
Mangel an menschlicher Zuwendung schon lange ereignet hätte.
Dienstag, 30. August 2011
Weisst du wieviel Sternlein stehen?
Natürlich nicht, es sind Unzählige!
Weisst du wieviel Wolken ziehen?
Woher sollte ich das wissen?
Wieviel Haare zählt dein Haupt?
Frag meinen Friseur, aber der kanns dir auch nicht sagen;)
Wieviel Jahre bleiben dir?
Was für eine Frage - keine Ahnung.
Warum bist du auf der Welt?
Die Millionen-Dollar-Frage, wenn ich das wüsste...
Wer hat dich hierher gestellt?
Vermutlich niemand, ich bin ent-standen.
Woher kommst du, wohin gehst du?
Wusste es nie und werde es auch nie wissen.
Weisst du wer du wirklich bist?
Kommt ganz auf die Situation an.
Warum schaffst du denn soviel?
Man muss ja von irgendwas leben.
Was ist wenn du einmal gehst?
Das Nichts - kannt du jetzt mal aufhören damit?
Sind das keine leichten Fragen?
Nein, du wirst sehen, je älter du wirst, desto leichter deine Fragen.
Geh jetzt schlafen...
Weisst du wieviel Wolken ziehen?
Woher sollte ich das wissen?
Wieviel Haare zählt dein Haupt?
Frag meinen Friseur, aber der kanns dir auch nicht sagen;)
Wieviel Jahre bleiben dir?
Was für eine Frage - keine Ahnung.
Warum bist du auf der Welt?
Die Millionen-Dollar-Frage, wenn ich das wüsste...
Wer hat dich hierher gestellt?
Vermutlich niemand, ich bin ent-standen.
Woher kommst du, wohin gehst du?
Wusste es nie und werde es auch nie wissen.
Weisst du wer du wirklich bist?
Kommt ganz auf die Situation an.
Warum schaffst du denn soviel?
Man muss ja von irgendwas leben.
Was ist wenn du einmal gehst?
Das Nichts - kannt du jetzt mal aufhören damit?
Sind das keine leichten Fragen?
Nein, du wirst sehen, je älter du wirst, desto leichter deine Fragen.
Geh jetzt schlafen...
Montag, 15. August 2011
Die Frage aller Fragen
Gestern habe ich bei Youtube eine Debatte zwischen Richard Dawkins und John Lennox angeschaut.
Es dauerte nicht allzu lange, da kamen die beiden an den Punkt, wo eine Diskussion zwischen Glaube und Atheismus wohl immer irgendwie hinsteuert - und wo sie auch zuende ist. Im Falle Lennox vs. Dawkins bekam das Gespräch hier einen Touch von Kindergarten.
Die Frage war: Was ist leichter zu erklären? Ein ungeschaffener Gott oder eine ungeschaffene Welt?
Dawkins hielt sich selbstredend an Letzteres und versuchte zu argumentieren, dass die Welt ja sozusagen mal klein angefangen habe (mit dem Urknall), während Gott immer schon recht gross gewesen sein müsse. Darum sei es für ihn einfacher an ein Zufallsprodukt Universum zu glauben. Ein kläglicher Versuch. Als ob das ein quantitatives Problem wäre.
To be or not to be? - Thats the Question.
Wie so oft hats der Volksmund schon lange raus: Von nichts kommt nichts. Darum ist natürlich beides gleich jenseits allen Verstehens.
Die richtige Fragestellung wäre doch vielmehr: mit was kann ich besser leben? Mit einem unerklärlichen Gott oder mit einer unerklärlichen Welt?
Für mich ist die Sache klar: die Welt in der ich mich bewege, die ich täglich wahrnehme, die mich unmittelbar betrifft, in der ich mich freue und an der ich leide - die bedarf aus meiner menschlichen Sicht einer tieferen Sinngebung. Gott ist einfach da, er ist der er immer war und der er immer sein wird.
Damit habe ich eigentlich gar kein Problem.
Es dauerte nicht allzu lange, da kamen die beiden an den Punkt, wo eine Diskussion zwischen Glaube und Atheismus wohl immer irgendwie hinsteuert - und wo sie auch zuende ist. Im Falle Lennox vs. Dawkins bekam das Gespräch hier einen Touch von Kindergarten.
Die Frage war: Was ist leichter zu erklären? Ein ungeschaffener Gott oder eine ungeschaffene Welt?
Dawkins hielt sich selbstredend an Letzteres und versuchte zu argumentieren, dass die Welt ja sozusagen mal klein angefangen habe (mit dem Urknall), während Gott immer schon recht gross gewesen sein müsse. Darum sei es für ihn einfacher an ein Zufallsprodukt Universum zu glauben. Ein kläglicher Versuch. Als ob das ein quantitatives Problem wäre.
To be or not to be? - Thats the Question.
Wie so oft hats der Volksmund schon lange raus: Von nichts kommt nichts. Darum ist natürlich beides gleich jenseits allen Verstehens.
Die richtige Fragestellung wäre doch vielmehr: mit was kann ich besser leben? Mit einem unerklärlichen Gott oder mit einer unerklärlichen Welt?
Für mich ist die Sache klar: die Welt in der ich mich bewege, die ich täglich wahrnehme, die mich unmittelbar betrifft, in der ich mich freue und an der ich leide - die bedarf aus meiner menschlichen Sicht einer tieferen Sinngebung. Gott ist einfach da, er ist der er immer war und der er immer sein wird.
Damit habe ich eigentlich gar kein Problem.
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